Hans Momsen
Fahretoft
Hans Momsen,
*23. 10. 1735 +13.9.1811               
                

                         

 

    Hans Momsen,

dem Mathematiker von Fahretoft

*23. 10. 1735           + 13.9. 1811 

 

Leben und Wirken Hans Momsens

 

Hans Momsen, der größte Sohn unserer Gemeinde,

dessen Kindheit und Lebenswerk mit unserem Dorf

eng verbunden sind, erblickte am 23. Oktober 1735

auf Bottschlott das Licht der Welt. In der Schule hatte

der kleine Hans, dessen ungewöhnliche Begabung

sich früh regte, einen schweren Stand, weil sich der

damalige Schulunterricht in sehr engen Grenzen

bewegte und wenig Raum für den stets hungrigen

Geist dieses Kindes bot.                            .

Wer neben dem einfachen Rechnen und Lesen

hauptsächlich Bibelsprüche und Gesangverse sowie

den Katechismus auswendig hersagen konnte,

galt als guter Schüler. Eigenes Denken oder gar

Fragenstellen nach dem Wie und Warum waren dem

Lehrer unbequem und wurden streng getadelt.

Kein Wunder, wenn der aufgeweckte Junge bei dieser

Art des Unterrichts starkes Missbehagen verspürte

und oft geistig abwesend war. Er dachte dann lieber

darüber nach, wie er seine kleinen mechanischen

Arbeiten zu Hause am zweckmäßigsten ausführen konnte.

So geriet er in den Ruf eines einfältigen Schülers,

und der Lehrer führte beim Vater mehrfach Beschwerde.

Da ihm die Schule nicht seine Erwartungen erfüllen

konnte, lernte er um so eifriger zu Hause. Tag für Tag

saß er über den Büchern seines Vaters, die zum Teil

in holländischer Sprache geschrieben waren und zu

deren Verständnis er sie sich zunächst noch mühsam

mit Hilfe einer holländischen Fibel und einer ebensolchen

Bibel übersetzen musste. Besonders die Mathematik lag

ihm am Herzen, und noch während seiner Schulzeit hatte

er die „Fünfzehn Elemente des Euklid" in ihren

Grundzügen verstanden, was seine außergewöhnliche

Begabung erahnen lässt

Doch sein Lehrer erkannte sie nicht, sondern schalt ihn

wegen seiner Wissbegier sündhaft eitel. Auch sein Vater

hatte wenig Verständnis für diese Art Beschäftigung seines

Sohnes und war darauf bedacht, ihn für einen Beruf tauglich

zu machen, der es erlaubte, sein täglich Brot in

herkömmlicher Weise „auf ehrliche Art" zu verdienen.

Aber alle eindringlichen Vorhaltungen konnten seinen

Wissensdurst nicht unterdrücken, und als er sich gar

noch „Wolfs Auszug aller mathematischen Wissenschaften"

beschaffen konnte, erfuhren seine Kenntnisse auf diesem

Gebiet weitgehende Vervollkommnung.

"Nach der Schulentlassung musste Momsen wie seine

Brüder mit Spaten und Schubkarre am Seedeich arbeiten,

um Geld zu verdienen. Trotz seiner schwächlichen Natur

verrichtete er diese schwere körperliche Arbeit ohne Klagen.

Selbst hier draußen, während seine Arbeitskameraden sich

in den Ruhepausen dem Schlaf hingaben, nutzte er jede

freie Stunde, um sich seinen Büchern zu widmen, die er stets

bei sich führte. Auch am Abend gönnte er sich keine Ruhe und

setzte seine Studien mit eiserner Energie fort.

Bei diesen Arbeiten am Deich sollte er noch eine schmerzliche

Lebenserfahrung machen. Schon bald erkannte sein allzeit

wacher Geist und sein Sinn für die Praxis manche

Fehlleistungen, die dort verrichtet wurden. In seiner

bescheidenen Art versuchte er, seinen Arbeitskollegen

die Augen zu öffnen und sie für eine zweckmäßigere und

sinnvollere Arbeitsweise zu gewinnen. Doch diese, wohl

um vieles älter als er, zeigten sich seinen praktischen

Vorschlägen nicht zugänglich und schalten ihn einen dummen

und eingebildeten Jungen. Es betrübte ihn tief, wenn er mit

ansehen musste, wie die bejahrten Männer an der

hergebrachten Methode festhielten und sich der Vernunft

zum Hohn gegen alles Neue sperrten. Doch war er klug genug,

künftighin seine Gedanken für sich zu behalten. Erst später als

Deichrichter konnte er seine hier erworbenen Erfahrungen

fruchtbringend durchsetzen.

Den Winter nutzte Momsen für weitere Studien und fand

Gelegenheit, im Sommer 1753 im Alter von 18 Jahren in

Dithmarschen sein Können unter Beweis zu stellen.

Mit der ersten größeren Geldsumme, die er nach Hause brachte,

schwand endlich der Widerstand seines Vaters, der ihn von nun

an in allem gewähren ließ. Vom Vater übernahm er nachfolgend

das Amt des Deichvogts und wirkte als solcher verantwortlich an

der Eindeichung des Juliane-Marienkooges 1777 mit.

Im Jahre 1780, also mit 45 Jahren, heiratete Momsen Adelheid,

die 25jährige Tochter von Johann Hinrich Breckling aus Fahretoft.

Seine Braut wird als groß, hübsch und klug geschildert,

und dass sie auch resolut sein konnte, bezeugt eine

ergötzliche Überlieferung: Adelheid half in der Gastwirtschaft

ihres Onkels auf der Maienswarft, als dort der Graf Schack

aus Mögeltondern einkehrte und im Scherz versuchte, sich der

hübschen Deern zu nähern. Ob dieser vermeintlichen

Ungebührlichkeit wurde ihm eine schallende Ohrfeige zuteil,

die ihm den überraschten Ausruf entlockte: „Au, die haut ja!"

Getreulich seinem Leitspruch: „Louk aast, louk weest,

inne äs't beest!" gestaltete Momsen sein Familienleben.

Er galt als liebevoller Gatte und war seinen sieben Kindern

ein guter Vater. Stets trug er nach damaliger Landessitte

einen langen, grauen Friesrock, weite Frieshosen und

auf dem Kopf eine blauwollene Zipfelmütze. Auf der

Gabrielswarft hatte er sich im Garten vor seinem Hause

eine Werkstatt eingerichtet mit allem, was er benötigte.

Hier entstanden die gediegensten Instrumente, wie

Messkonsolen, Reißzeuge, Spiegeloktanten und

Räderschneidemaschinen, um nur einige anzuführen.

Auch baute er Fernrohre, Uhren mit Glockenspiel,

Sonnenuhren und schließlich gar eine Orgel mit sechs

Registern und einer Klaviatur von vier Oktaven.

Dabei muss man sich vor Augen halten, dass er alles,

auch das kleinste Teilchen, selbst schmiedete, drechselte,

lötete, schnitzte und nötigenfalls sogar aus Metall goss.

Diese vielseitigen handwerklichen und künstlerischen

Fähigkeiten, gepaart mit Erfindersinn, erwecken allein

schon höchste Bewunderung. Aber auch in den

Geisteswissenschaften war Momsen zu Hause.

Geographie, Geschichte und Anthropologie hatte er sich

durch intensives Selbststudium zu eigen gemacht

Seine Lieblingsgebiete je­doch waren Astronomie,

Trigonometrie, Mechanik, Optik, Hydraulik und schließlich

noch die Navigationslehre. Um in diese Wissenschaften

eindringen zu können, musste er sich auch noch in die

dänische, englische, französische und lateinische

Sprache einarbeiten.

Bei der Vielfalt seiner Begabungen drängt sich

unwillkürlich die Frage auf, was Momsen hätte

leisten können, wenn ihm von Kind auf heutige

Bildungsmöglichkeiten offen gestanden hätten.

Sicherlich hätte die Nachwelt ihm Außerordentliches

zu danken gehabt. Momsen selbst bedauerte seinen

mühsamen Weg des Selbststudiums nicht und pflegte

zu sagen: „Nur das durch eigenes Nachdenken Erkannte

ist wahres Eigentum des Geistes."

So wirkte er in dem selbstgewählten Kreis seiner

engeren Heimat, immer darauf bedacht, seine

Unabhängigkeit zu erhalten. Diese schätzte er

höher als gutbezahlte Anstellungen. Freiheit und

Wahrheit waren ihm die heiligsten Güter. Hieraus

ist auch sein ausgeprägter Sinn für Rechtlichkeit

zu verstehen. Seinen Schülern von nah und fern

war er ein gütiger und zugleich gestrenger Lehrer,

dessen wohlbedachte Reden von seinem reichen

Wissen zeugten. Oberflächliches Geplauder war

ihm fremd, und man sagte, dass sein Wort wie ein

Orakelspruch galt. Nach alten Aufzeichnungen war

er seinem ganzen Wesen nach voll Ehrfurcht vor

den Wandern der Schöpfung und voll tiefer Frömmigkeit,

wenn auch nicht im kirchlichen Sin­ne.

Obgleich er in seinen späteren Jahren nicht mehr

die Kirche betrat, „so lauschte doch sein Ohr der

Stimme seines Gewissens, des Gottes seines Inneren".

Nach langem Zögern erst folgte er einer Einladung

nach Kopenhagen, wo ihm große Anerkennung und

Ehrungen zuteil wurden. So still und bescheiden

er lebte, so still war auch sein irdischer Abschied 1811.

Hans Momsens außerordentlicher Fleiß, seine aufrechte

Art, ja seine ganze Lebensführung können uns und

unserer Jugend ein leuchtendes Vorbild sein.

                                                                                                                                                             

                                                                          Max Lorenzen    
 

 

 

Hans Momsen ...

 

... der Mathematiker

„Täglich, ja stündlich trug er ihn" (den Euklid)" bei sich

und fing an, alles aus euklidischen Gesichts­punkten zu

betrachten. Dass Momsen auf diese Wei­se gewaltige

Fortschritte in der Mathematik machte, ist begreiflich,

dass er aber schon in seinem 14. Jahre Euklids fünfzehn

Elemente der Hauptsache nach inne hatte, ist Tatsache,

welche uns die bedeutende Kraft seines Geistes,

des bewunderungswürdigen Genies ahnen lässt."                                                                                                                                                                                               

                                                                         J. Petersen/1874

 

„Sein Haus war im wahrsten Sinne des Wortes

die Sternenwarte Nordfrieslands und die Hochschule

der Mathematik."

                                                                      A. Johannsen/1935

 

„Bis an die Grenze beherrschte er diese Wissen­schaft,

die gleicherweise  eine lebhafte Phantasie und eine

strenge Zucht der Gedanken voraussetzt."

                                                                        C.J. Hehnke/1911

 

Leere Bucheinbandseiten seiner großen Bibliothek nutzte

Hans Momsen für seine vielen mathemati­schen Formeln,

Zeichnungen und Mond- und Son­nenfinsternis Berechnungen.

 


 

...der Landmesser und Deichrichter:

„Er studierte auch besonders den Deichbau und sah

alles aus Euklidischen Gesichtspunkten an.

In nächtlichen Stunden arbeitete er emsig an der

Verfertigung mehrerer mathematischer Werkzeuge,

besonders solcher, die den Landmessern dienten.

1753 ging er nach Dithmarschen, wo er durch den

Verkauf seiner schönen Instrumente sowohl als auch

durch seinen täglichen Fleiß sich die Achtung aller erwarb."

                                                                                Sörensen/1814

 

Hans Momsen war später in Nordfriesland als

Land­messer tätig, wurde vielfach als Sachverständiger

berufen und versah in Fahretoft die Tätigkeit eines Deichrichters.

„Er lieferte Baurisse für Häuser, Schleusen und Brücken. Auf

Bestellung machte er einige Wasser­schnecken zum Wasserschöpfen."

                                                                                    S. Staats/1965

 


 ... der Lehrer:

„Mit einem höchst angenehmen Gefühl der Befrie­digung

ging ich von dannen zu den Lehrstühlen in der

Universitätsstadt und mussten wohl etwas beschei­dener,

etwas kräftiger meinen Weg wandeln, denn ich hatte den

bescheidenen Autodidakten Momsen geschaut."

                                                                         Chr. Feddersen/1858

 

„Im Winter war auch der Unterricht für junge Leute"

(vor allem Steuerleute und Kapitäne) „in allen

mathematischen Wissenschaften für ihn Geschäft,

und auf diese Art hat er dem Vaterlande wahrhaft genützt.

Auch der unlängst verstorbene Professor Krebs aus

Kopenhagen verehrte in Momsen seinen Lehrer, und nie

schrieb er ein Werk, ohne Momsen ein sauber gebundenes

Exemplar zuzusenden und sich sein Urteil über den Werth

desselben auszubitten."

                                                                                  Sörensen/1814

 

  ... der Autodidakt:                                                       

Sechshundert Fachbücher über z.B. Optik, Mathe­matik,

Sonnensternkunde, Astronomie, Lichtlehre, Navigationslehre,

Uhrmacherkunst und Mechanik nannte Hans Momsen sein

eigen. Er kannte sie alle, ob sie nun in holländischer,

dänischer, französischer, englischer oder lateinischer

Sprache geschrieben waren. Selbst Deutsch war für ihn

als Friese in seinen Kinderjahren eine Fremdsprache.

Dennoch hatte er so gründliche Kenntnisse — ohne je

einen Lehrer in diesen Sprachen gehabt zu haben — dass

er Über­setzungen z.B. vom Lateinischen ins Deutsche

vor­nahm.

„Kam ein neues Buch an, in dem er Neues und Wich­tiges

zu finden hoffte, so war seine Freude groß. Er las abends

auf dem Bette darin, legte es unter sein Haupt, wenn er

einschlafen wollte und ergriff es morgens beim ersten

Erwachen wieder."

                                                                          Chr. Feddersen/1858

 

... der Mechaniker:

„In seinen Knabenjahren hat er eine Windmühle und ein

Kriegsschiff verfertigt, beide noch sehenswerte Stücke.

Er zeichnete, machte Kupferstiche und Holzschnitte,

band Bücher ein, verfertigte allerlei mathematische

Instrumente," (Bestecke, Reißzeu­ge, Boussolen,

Zirkelfüße und Messketten) „schliff und polierte Gläser

und verfertigte sowohl Teleskope als Sextanten und

Otanten. Auch Uhren allerlei Art hat er gemacht, besonders

eine Uhr mit Glocken­spiel und eine Seeuhr" (außerdem:

Standuhren, Sonnenuhren auf Sandstein und solche im

Taschen­format).

„Im Kunstdrechseln war er Meister, und seine Stahl

arbeiten kamen an Politur und Genauigkeit den eng­lischen

gleich. In späteren Jahren verfertigte er auch eine recht

niedliche Orgel." (Sie hatte sechs Regi­ster, eine Klaviatur

mit vier Oktaven, ein Pedal mit zwei Oktaven und 294 Pfeifen.)

                                                                                   Sörensen/1814

 

 

 

  

Hauke Haien  (Zur 200. Wiederkehr seines Geburtstages)

 

Dö setjst aw Gabrielwäjerw to spickelieren As Rägenmäjster Däj for Däj;

Von Mjarn to Een wjarst dö baj't Lieren En hölpst de selew aw di rechte Wäj.

Dö löppst to metjen en to rägnen baj e Dicke, De woß ja ninj Exempel altoswar, Schöüjst ock        di Wäj ap to e Stäjre sicke, Dö jäjfft de aj, en kömmst er ock ma klar.

Da Manschne wenj wat Grottes üt de mage, Ja föngen auers aj e Bocht,

Dann blot önj Fohrtoft köj't de hage: Dö blifst en Börre däjk en schocht.

Jaa, dö blifst frasch, dar äs nint to verdraien, En manneng häwe von de liert. E hiele Wral

kant de äs Hauke Haien - En so waarst dö von üß ock ihrt.

 

A. Johannsen

 

Hauke Haien

Du saßest auf der Gabrielswarft zu spekulieren als Rechenmeister Tag für Tag;                              Von Morgens bis Abends warst du am Lernen Und halfst dir selbst auf den richtigen Weg.

Du liefst zu messen und zu rechnen am Deiche, dir war kein Exempel zu schwer, suchtest auch den Weg hinauf zu dem Sternenhimmel. Das gab es nicht, du kamst auch damit klar.

Die Menschen wollten etwas Großes aus dir machen, sie bekamen aber nicht die Bucht. (ihren Willen) Denn nur in Fahretoft gefiel es dir: Du bliebst ein Bauer, täglich und schlicht.

Ja, du bliebst friesisch, da ist nichts zu verdrehen, Und viele haben von dir gelernt. Die ganze Welt kennt dich als Hauke Haien - Und so wirst du auch von uns geehrt.

                                                                                             

Übersetzung von Hans Werner Paulsen

 

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Idee und Gestaltung: Hans Otto Meier/Heimatverein Dagebüll.

 

Überarbeitung: Christian M. Rickertsen/Hans Momsen Gesellschaft

 

 

 

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